• Alexandra Obernberger, BSc.

Dialogisches Bilderbuchbetrachten

Eine wunderbare Methode, um Ihr Kind in der Sprachentwicklung zu unterstützen, ist das gemeinsame Betrachten eines Bilderbuches. Einfach und doch wirkungsvoll können Sie dabei mit Ihrem Kind den Dialog üben und einen wertvollen sprachlichen Input bieten.


Was spricht für das dialogische Bilderbuchbetrachten ?

  • Es erweitert den Wortschatz Ihres Kindes.

  • Ihr Kind lernt Bücher als Kommunikationsmedium kennen.

  • Es ist sprach- und kulturunabhängig.

  • Es gibt Ihrem Kind die Möglichkeit sich mitzuteilen.

  • Ihr Kind lernt Gesprächsregeln.

  • Es weckt Interesse an Büchern und Geschichten.





Wie funktioniert das dialogische Bilderbuchbetrachten?





Lassen Sie Ihr Kind ein Bilderbuch aussuchen und nehmen Sie sich etwas Zeit in einer gemütlichen Ecke. Während beim klassischen Vorlesen der Erwachsene vorliest und das Kind zuhört, kommt das Kind beim dialogischen Betrachten in eine aktivere Rolle. Durch Fragen und Impulse soll das Kind ermuntert werden, in eigenen Worten über das Buch, die Bilder und die Geschichte zu reden. Alle Beteiligten befinden sich in ständiger Interaktion. Sie entdecken den Inhalt des Buches gemeinsam und tauschen sich darüber aus.




Wie kann ich mein Kind zum Sprechen anregen?


Um Ihr Kind zu sprachlichen Äußerungen anzuregen, können Sie Fragen stellen und Impulse geben.


Idealerweise stellen Sie Ihrem Kinde offene Fragen oder Alternativfragen.

  1. Offene Fragen: Beginnen Sie die Frage mit einem W-Fragewort. Wer? Was? Wo? Wie? Warum?

  2. Alternativfragen: Es werden zwei oder mehr Wahlmöglichkeiten angeboten. z.B.: Sucht der Hase seinen Handschuhe oder seine Socken?

Dabei ist wichtig: Geben Sie dem Kind ausreichend Zeit zu antworten und versuchen Sie, geschlossene Fragen (bei denen nur mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet wird) zu vermeiden.


Was kann ich fragen?

  • Stellen Sie Fragen zu einzelnen Figuren oder Dingen: „Was macht die Prinzessin da?“

  • Erfragen Sie die Gefühle und Einstellungen Ihres Kindes zur Geschichte: „Wie geht es dem Hasen jetzt?“ oder „Was würdest du jetzt in der Situation machen?

  • Stellen Sie Verständnisfragen, z.B. Fragen nach dem möglichen weiteren Verlauf der Geschichte. Achtung: Vermeiden Sie ein Abfragen von Fakten, der Spaß und die Freude am gemeinsamen Tun sollte immer im Vordergrund bleiben!

  • „Unsinnsfragen“: Man stellt sich dumm, indem man etwas offensichtlich Falsches behauptet. z.B. „Warum fliegt der Bub zum Haus?"

Zusätzlich können Sie auch sprachanregende Impulse geben:

  • Einfache Bemerkungen zum Bild. z.B. "Schau, dort ist es ja ganz dunkel!"

  • "spontane" Gefühlsäußerungen, Ausrufe oder Aufforderungen. z.B. "Ohje!", "Schau mal!", "Toll, mach weiter so!"

  • Zurückblättern, um Vergleiche anzustellen.

  • Mimik, z.B. "böse" oder "erstaunt" schauen.

  • Nutzung spezieller Effekte des Buches (z.B. tasten, mit dem Finger durch Löcher kriechen, etc.).


Welche Medien kann ich verwenden?


Zum Dialogischen Lesen sind im Prinzip alle Kinderbücher geeignet, auch Fotoalben und anderes, visuell ansprechendes Material, wie z.B. ein Bildkalender oder ein Tieratlas. Die Buchwahl sollte sich in erster Linie an den Interessen des Kindes orientieren!



Abschließend ist zu sagen, dass neben der sprachlichen Anregung der gemeinsame Spaß und die neuen, positiven Erfahrungen im Umgang mit Büchern und Sprache im Vordergrund stehen. Viel Spaß beim Ausprobieren!



Literatur zum Thema:

  • Schlinkert, H. (2015) Zur Methodik der Bilderbuchbetrachtung https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildungsbereiche-erziehungsfelder/medienerziehung-informationstechnische-bildung/513

  • Susanna Roux (Hrsg.): PISA und die Folgen: Sprache und Sprachförderung im Kindergarten. Landau: Verlag Empirische Pädagogik 2005, S. 109-129.


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